SINUS-Jugendstudie: „Wie ticken Jugendliche?“ in der vierten Auflage

Die Sinus-Jugendstudie wird seit 2008 alle vier Jahre vom SINUS-Institut erstellt, um die Lebenswelten von Jugendlichen im Alter von 14 bis 17 Jahren zu erforschen und herauszufinden, wie Jugendliche sich und ihre Lebenssituation selber einschätzen. Es gibt nicht „die Jugend“ – die Studie zeigt auf, wie vielfältig und unterschiedlich die Meinungen und Einschätzungen der Jugendlichen sind. Die Studie fängt laut SINUS-Institut die soziokulturelle Unterschiedlichkeit von Jugend ein, die für entwickelte und hoch individualisierte Gesellschaften typisch geworden ist und verdichtet sie modellhaft anhand von Milieumodellen.

Die Studie erfasst nicht nur quantitativ erhobene Daten, sondern zeichnet sich durch ihre qualifizierte Milieuforschung aus. Lange Einzelinterviews mit 72 Jugendlichen sind die Basis der Studie. Die Jugendlichen werden durch sprachliche, schriftliche und fotografische Dokumentation in ihren tatsächlichen Lebenswelten abgeholt. Die Umsetzung der SINUS-Jugendstudie wird durch mehrere zivilgesellschaftlichen Organisationen realisiert. Als kirchliche Projektpartner sind die afj und der BDKJ vertreten.

Die grundlegenden Forschungsfragen und Vertiefungsthemen der Studie werden durch die Projektpartner und ihre jeweiligen Arbeitsfelder festgesetzt. Alle vier Jahre verändern sich die Schwerpunktthemen. Themenschwerpunkte der SINUS-Studie 2016 waren hochaktuelle Themen wie Digitale Medien und digitales Lernen, Flucht und Asyl, Geschichtsbilder, Glaube und Religion, Liebe und Partnerschaft, Mobilität, Nation und Nationalität, Umweltschutz, Klimawandel und kritischer Konsum. Zusammenfassend haben die Projektpartner zu der Studie 2016 resümiert, dass es die auf Abgrenzung und Provokation zielenden großen Jugend-Subkulturen kaum mehr gibt. Eine Mehrheit der Jugendlichen ist sich einig, dass ein gemeinsamer Wertekanon von Freiheit, Aufklärung, Toleranz und sozialen Werten gelten muss, weil nur er das „gute Leben“, das man in diesem Land hat, garantieren kann. So herrscht der Wunsch nach Orientierung und Sicherheit in den zunehmend unübersichtlichen Verhältnissen einer globalisierten Welt.

Die Ergebnisse der Jugendstudie haben für alle Akteure, die in der Jugendbildung und -arbeit tätig sind, eine große Relevanz, da sie eine praxisnahe Entscheidungsgrundlage liefern. Auch durch die regelmäßige Wiederholung der Studie können wichtige Erkenntnisse über das Leben in einer sich ständig wandelnden Gesellschaft gewonnen werden, die nicht nur für das Fachpublikum interessante Ergebnisse liefert. Die Wahrscheinlichkeit, Jugendliche durch gezielte Ansprache zu erreichen, wird deutlich erhöht und entsprechende Angebote können zielgerichtet und niedrigschwellig auf die Jugendlichen zugeschnitten werden. Auch abgebildete Trends und Zukunftsszenarien bereichern die Planung in der Jugendbildung und -arbeit. Die Abbildung des soziokulturellen Wandels und der Strukturveränderung der Gesellschaft ist hilfreich, um das Denken und Verhalten der Jugendlichen besser nachzuvollziehen.

In 2020 erscheint die SINUS-Jugendstudie in der vierten Auflage. Durch die aktuelle Corona-Situation sind die für Juni avisierten Präsentationen der Studie in Köln, Würzburg und Magdeburg abgesagt. Die Termine finden statt dessen online statt. Alle weiteren Infos dazu findet ihr hier.

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